Die mitunter sehr gute akustische Leistungsfähigkeit von einem originalen Instrument kann durch einen handwerklich exakten Nachbau nicht kopiert werden. Zupfinstrumente sind hochkomplexe, unter Spannung stehende Klangkörper mit einer flachen Deckenkonstruktion als zentrales Element der Schallerzeugung aus dem lebendigen, inhomogenen Naturmaterial Holz. Die Hölzer des Originals weisen im Vergleich zu jenen des Nachbaus (selbst bei gleicher Holzart) unterschiedliche physikalische und akustische Eigenschaften in Bezug auf Schwingungsverhalten, Schalldurchgang, Klang, Belastbarkeit und Gewicht auf. Aus diesen Gründen erzielt eine Replika von einem guten originalen Instrument ohne die exakt gleichen physikalischen Eigenschaften nicht die gleiche akustische und klangliche Leistungsfähigkeit wie das Original. Damit jedes Instrument sein optimales akustisches und klangliches Leistungsvermögen entfalten kann, fokussiere ich meine Arbeit auf die Abstimmung dieser individuellen Materialeigenschaften.
Meine Modelle sind der Versuch einer größtmöglichen Annäherung an das Original und sind zugleich Interpretation, für die ich auf historische und wissenschaftliche Quellen zurückgreife (Pläne, Fachliteratur, Messungen, Dendrochronologien, Fotos, Röntgenaufnahmen und Computertomographien von Originalen, sowie historische Abbildungen). Bei der Herstellung halte ich mich an die jeweilige Bautradition.
Ich arbeite seit Jahrzehnten mit Musikerinnen und Musikern zusammen und habe mit ihnen meine Instrumente für den professionellen, virtuosen Gebrauch optimiert. Im Einzelgespräch werden zusätzliche individuelle Anfertigung, bestmögliche Spielbarkeit und subjektive Klangabstimmung definiert, um die persönlichen klanglichen und haptischen Vorlieben am Instrument umzusetzen.
Mein Hauptaugenmerk liegt in der ausgewogenen Mischung von Klangfarbe und Lautstärke, Ausgewogenheit der Register, Dynamik und Tragfähigkeit des Tones, einfachen Ansprache und Spielbarkeit. Nach diesen Aspekten stimme ich die Decke (Korpus) jedes Instruments optimal ab.
Für den Korpus finden hochwertige, luftgetrocknete Hölzer besondere Beachtung. Nicht nur natürliche Struktur und Farbe, sondern auch spezielle Maserung werden von mir gesucht und verarbeitet. Es ist mein ästhetischer Anspruch, die natürliche Schönheit der Hölzer in den Vordergrund zu rücken.
Im Zuge der durch Restaurator Klaus Martius und Dr. Sebastian Kirsch, auf Initiative vom Lautenisten Hubert Hoffmann, durchgeführten Konservierung und Dokumentation der Lauten des Stifts Kremsmünster konnte ich, dank einer Förderung des Austria Wirtschaftsservice (aws, 2014), nach eingehender Vermessung am offenen Original unter Zuhilfenahme von Dendrochronologie und Röntgenaufnahmen, den möglichst exakten Nachbau der kleinen 11-chörig Langenwalder/Greimbl Barocklaute durchführen. Davon ausgehend entwickelte ich ein neues Modell mit einem um 1720 üblichen Schwanenhals und Fächerbalken unter dem Steg an der Fichtendecke.
Links: Mein Prototyp mit Schwanenhals, barockem Spielhals und Fächerbebalkung.
Rechts: Möglichst exakter Nachbau der originalen Knickhals Laute von Jacob Langenwalder 1627 / Umbau 11 chörig von Matthias Greimbl Kremsmünster 1678.
Das Original hat eine Renaissancebebalkung und einen Korpus aus Tannenholz. Vor dem Umbau 1678 war die Laute vermutlich 9 oder 10 chörig.
Das außergewöhnliche an diesem Projekt ist der seit 250 Jahren unveränderte Zustand dieser Lauten bezüglich der Bautradition und der Spielspuren.
(Die Lauten des Stifts Kremsmünster, PLV Peißenberg 2020)
Das Mozarteum Salzburg beauftragte 2018 einige Musikinstrumentenbauer exakte Nachbauten der Musikinstrumente des Salzburg Museum herzustellen. In diesem Zusammenhang führte ich, auf Vermittlung vom Lautenisten Hubert Hoffmann, die Vermessung der Originale unter Zuhilfenahme von Dendrochronologien und Computertomographie durch und stellte einen möglichst genauen Nachbau der 11-chörig Barocklaute von A. F. Mayer (1723) - Korpus von Michael Gartner (1524), sowie der Colachon von Johannes Schorn (1688) her. Weiters rekonstruierte ich für das Mozarteum Salzburg unter Berücksichtigung historischer Darstellungen die 6-chörige Tenor-Renaissancelaute von Michael Gartner (1524).

Originaler Lautenkorpus von Michael Gartner (1524), Umbau 11 chörig von A. F. Mayer (1723), Salzburg Museum (MI 1087)
Die akustische Abstimmung von Zupfinstrumenten aus dem inhomogenen Naturmaterial Holz, im besonderen der Decke inklusive der Balkenkonstruktion, ist eine sehr individuelle, vielfältige komplexe Kunst und erfordert die Sinne Sehen, Hören und Tasten des Menschen. Mit dem vor allem im Streichinstrumentenbau propagierten Einsatz von akustischen Messmethoden wird versucht eine möglichst genaue akustische Kopie eines Originals herzustellen. Unter der Einbeziehung von zusätzlichen messbaren physikalischen Eigenschaften des Originalholzes (Gewicht, Schalldurchgang). Als Vorlage für die Kopie dienen bereits akustisch genau vermessene sehr gute Originalinstrumente (z. B. Stradivari, etc.). Dieses Verfahren dient bei einem neu gebauten Zupfinstrument (mit deren komplexeren Struktur / Decke+Balken+Korpus als eine Violine) im akustischen Abstimmungsprozess mit seinen vielen Arbeitsschritten nur unter den oben genannten Voraussetzungen (es gibt keine akustisch vermessenen Originallauten) als unterstützende Maßnahme und ist alleine kein Garant für eine allgemeine sehr gute akustische Gesamtqualität. Um optimale Ergebnisse bei neu gebauten Zupfinstrumenten in der akustischen Qualität bezüglich ausgewogener Mischung von Klangfarbe und Lautstärke, Ausgewogenheit der Register, Dynamik und Tragfähigkeit des Tones, einfachen Ansprache und Spielbarkeit zu erzielen ist eine Zusammenarbeit mit professionellen/virtuosen MusikerInnen unerlässlich.
Am Originalinstrument kann nur das Alter des Deckenholzes mittels dendrochronologischer Untersuchung (Jahresringanalyse) wissenschaftlich festgestellt werden (sofern keine „alte Decke“ neu verbaut wurde). Bei allen anderen Bauteilen ist eine genaue Altersbestimmung nicht möglich bzw. kann sich eine zeitliche Einordnung nur an der Bautradition orientieren. Wegen oft mehrmaliger Umbauten (zuletzt in Gitarren) oder späterer Restaurierungen sind exakte zeitliche Bestimmungen einzelner Instrumententeile anhand der Bautradition nicht oder nur bedingt möglich. Ohne dendrochronologische Untersuchung sind Zeitdatierungen von Instrumenten mit Vorsicht zu bewerten.
In der Blütezeit der Laute wurden die Instrumente in großer Stückzahl arbeitsteilig hergestellt. Die Manufakturen italienischer Lautenmacher verarbeiteten Halbfertigteile, die unter anderem vom Alpennordrand über die Alpen nach Italien transportiert wurden (Auszug: Füssener Lauten und Geigenbau. Hofmeister Musikverlag, 2017, S.95-96). Nachlässe berühmter Lautenbauer listen die schiere Menge an halbfertigen und fertigen Teilen, sowie fertiger Lauten auf. Bei Laux Maler (1552, Bologna) ist die Rede von 1.100 Lauten, 1.354 Decken (davon 1.154 bereits mit Rosette und Einlegearbeiten). Bei Moise und Magno Tiefenbrucker (1581, Venedig) liest man von 335 Lauten, 8 Gitarren, 150 Lautenkorpora, 60 unfertigen Lauten, gelagertes Halbzeug, 15.200 Eibenspänen, 2.000 Decken, 300 Stege, 600 Hälse, 160 Wirbel. Bei Caspar Frei (1627, Bologna): 522 Lauten und Chitarronen, einige hundert Gitarren, 400 Decken.
Historischen Quellen zufolge waren die Kosten für Anschaffung und Unterhalt von Lauten bei gleicher Nutzungsdauer um ein Vielfaches höher als die von Streichinstrumenten aus der Familie der Violinen. Der Lautenist Silvius Leopold Weiss erhielt jährlich so viel Gehalt wie die gesamte Dresdner Hofkapelle.
Musikinstrumente sind erstrangig Gebrauchsgegenstände zum musizieren und können zweitrangig kunsthandwerklich aufwendig gestaltet sein. Durch Veränderungen in der Musikästhetik verloren vom Mittelalter über Renaissance bis Barock viele Zupfinstrumente ihren primären Gebrauchswert und verschwanden. Ein möglicher Umbau sicherte ihre weitere Verwendung. Infolge des grundlegenden stilistischen Wandel in Richtung Klassik verloren um 1800 alle Barockzupf(streich)instrumente ihren primären Gebrauchswert. Dadurch verschwand die größere Anzahl an schlichten Instrumenten (Ausgenommen die Streichinstrumente der Geigenfamilie. Sie wurde an die Veränderungen angepasst und ohne Unterbrechung bis heute verwendet). Der zweitrangige kunsthandwerkliche Wert sicherte vorhandenen Barockzupfinstrumenten die nötige Aufmerksamkeit und förderte ihren Fortbestand in damaligen Privatsammlungen bzw. Kunstkammern. Sie sind heute in den Museumssammlungen als Ausstellungstücke zu sehen. Dies hat zur Folge, dass es derzeit eine quantitativ verzerrte Verteilung von schlichten zugunsten von kunsthandwerklich aufwendig ausgeführten Instrumenten gibt.
Ab 1905 begann die „Originalklang“ Bewegung im deutschsprachigen Raum. Ausgediente Barock(streich)instrumente wurden wieder eingesetzt. Sie bekamen ihren primärer Gebrauchswert wieder zurück und zugleich erhöhte sich ihr monetärer Wert. Die um 1800 völlig aus dem Musikgeschehen verschwundenen, für den Generalbass nötigen und in anderen musikalischen Bereichen eingesetzten Lauteninstrumente wurden von interessierten Gitarristen nach und nach reaktiviert. Aufgrund der wenigen und zudem im schlechten Zustand befindlichen originalen Lauteninstrumente entstand der Nachbau von Renaissance und Barocklauteninstrumenten. Der sich am Beginn, aus mangelnden Wissen der Benützer und Hersteller über deren ursprünkliche Verwendung, Klangästhetik und der Musikästhetik der Epochen, am aktuellen Gitarrenbau orientierte. Auch wurden für die Bässe die Saiten der modernen Gitarre - umsponnene Saiten mit Seidenkern (Kathedraler Klang) bevorzugt. Im Laufe der Zeit erfolgte die Erforschung der Aufführungspraxis, der Instrumente und des Saitenmaterial. Der Einfluss der Klangästhetik der 6 saitigen Gitarre ist jedoch bis heute hörbar (zb. einsaitige Arciliuto).
Ich bin ein Saiten- und Streichinstrumentenbau-Meisterbetrieb. Auf den Neubau von Renaissance und Barockzupfinstrumente spezialisiert. Alle angebotenen Instrumente sind Einzelstücke. Um die jeweiligen Optimierungen in akustischer, klanglicher und haptischer Hinsicht zu dokumentieren habe ich detaillierte digitale Pläne angefertigt.
Meine Instrumente werden von MusikerInnen aus der gesamten EU, angrenzenden Ländern, den USA , Australien, Israel u.a. gespielt. Von folgenden Hochschulen wurden meine Instrumente angekauft und stehen dort StudentInnen zur Verfügung: mdw Wien, MUK Wien, HfMT Köln, HfM Würzburg, HfM München, Mozarteum Salzburg, Kunstuni Graz.
Ich veranstalte im Jahr bis zu vier Konzerte in meiner Werkstatt. Ein Ort, der bei diesen Anlässen als „Versuchslabor“ bis zur Präsentation von vollständigen Programmen dient.
Interpreten: David Bergmüller, Thomas Boysen, André Ferreira, Michael Freimuth, Hubert Hoffmann, Haidl Klaus, Sven Schwanberger, Ensemble Cicchetti Musicali