- Es existiert keine einzige in allen Teilen unbestritten originale Gambe mit einer originalen Fichtendecke aus dem 16. Jahrhundert, die ‘1:1’ als Grundlage für eine getreue Kopie dienen könnte.
- Die Wissenschaft geht davon aus, dass der Stimmstock erst in der zweiten Hälfte des 16. Jhdts. aufgekommen ist. Die Anwendung des vertikalen Bassbalkens (parallel zur Holzmaserung) ist eng mit der Anwendung des Stimmstocks verbunden.
- Um 1500 genossen Lauten / Vihuelas mit ihrer flachen Deckenkonstruktion in der aristokratischen Gesellschaft hohes Ansehen und wurden sehr geschätzt. Sie waren Statussymbole und ihre traditionelle statische Konstruktion war mit Querbalken (quer zur Holzmaserung) an der Unterseite der Decke.
- Historische Darstellungen von Streichinstrumenten zeigen eindeutig flache Decken an Gamben. Vergleichbar mit denen bei Lauten oder Vihuelas. Erst bei späteren Abbildungen treten die geschnitzten, gewölbten Decken auf.
Eine der ältesten Abbildungen einer Gambe (um 1475-85) aus Valencia mit geradem Stegfuß an der Decke.

Die Summe dieser Fakten war meine Grundlage der Entwicklung einer Renaissancegambe (um 1500) mit Balken quer zur Holzmaserung ohne Stimmstock.
Die Besaitung war natürlich vollkommen in Darm! Nach einigem Suchen haben sich die Saiten von Luke Challinor bewährt.
Aufgrund ihres „entzückend, süßen“ Klanges verbreitete sich die Gambe um 1500 von Valencia ausgehend in Ganz Europa.
Die Bassgambe in Renaissance und Frühbarock war als Fundament im Ensemble (Consort) oder zur Begleitung geschätzt. In der Sololiteratur dominierte jedoch das polyphone Spiel in der Tenor- und Mittel-Lage. Der tiefe Bassbereich erlangte in der Solo-Musik für die Viola da Gamba erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts eine tragende Rolle.
Der „süße“ Klang, der aus der Konstruktion mit Querbebalkung resultiert, harmoniert perfekt mit Renaissance-Lauten, Vihuelas und anderen Instrumenten jener Epoche. Im Gegensatz zu Barockgamben, die aufgrund ihrer Konstruktion mit geschnitzter, gewölbter Decke mit vertikalem Bassbalken und Stimmstock einen voluminöseren und bassreicheren Klang erzeugen.
Meiner Ansicht nach ist es kein Zufall, dass sich die geschnitzte, gewölbte Decke im Zusammenspiel mit der Stimmstockkonstruktion bei Streichinstrumenten genau in jener Zeit herausbildete, als auch die Bassregister der Laute, eines in aristokratischen Kreisen hochgeschätzten Instruments, rasch erweitert wurden.
Durch die statische Konstruktion mit Querbalken nimmt jedoch die akustische Leistung zu den tiefen Frequenzen hin ab.
Ich sehe bei Streichinstrumenten mit Querbalken keine konstruktive Lösung für den langfristig angestrebten Weg zu einem funktionierenden größeren Bassregister bzw. einem voluminöseren Klang. Aus diesem Grund musste eine neue Konstruktion entwickelt werden. Der genaue dynamische, nicht lineare Entwicklungsprozess, der je nach Region und Zeit variierte, weg von einer Decke mit Querbalken ist uns nicht bekannt.
Letztendlich führte er zu der statisch vorteilhaften Konstruktion mit gestochener - gewölbter Decke und gewölbtem Boden, gestochen aus einem dickem Holzstück, mit einem längs zur Maserung verlaufenden, vertikalem Bassbalken (für einen resonanteren Bass) und einem beweglichen Stimmstock im Diskantbereich unterhalb des Stegs, der für die Stabilität notwendig war. Zusätzlich ermöglichte er eine Koppelung von Decke und Boden. Der große Vorteil dieser Konstruktion mit beweglichen Stimmstock liegt in der Möglichkeit der nachträglichen Klangkorrektur. Die Konstruktion der Streichinstrumente, der Familie der Violinen, wie wir sie heute kennen war geboren.
Als Vorlage diente die historische Abbildung:
Die Krönung der Jungfrau, Ferrara, Italien, Fresko c.1510-15, Teilausschnitt vom Engelskonzert Klosterkirche: Chiesa Santa Maria della Consolazione
Vermutlich von Michele Coltellini oder Baldassara Cassari
